Geschichte

 

Das Geschlecht der Herren und Freiherren v. Seydlitz  und  v. Seidlitz sowie der Grafen v. Seidlitz wird urkundlich bereits Anfang des 13. Jahrhunderts erwähnt. Geographisch ist der Ursprung, wie häufig bei Uradelsgeschlechtern, nicht eindeutig festzulegen. Der Name taucht nahezu gleichzeitig in Schlesien, Böhmen, Mähren und Polen auf. Es ist wahrscheinlich, dass die Familie – wie viele andere Adelsgeschlechter – im Zuge der Besiedlung des Ostens aus Franken, Thüringen und Sachsen eingewandert ist.

Bereits 1580 fand in Neiße (Oberschlesien) der erste große Familientag statt, zu dem nach alten Berichten 44 Vettern, durch das Familienwappen der drei roten Fischen auf silbernem Grund verbunden, aus den oben genannten Ländern zusammengekommen waren.

Bis Ende des 17. Jahrhunderts verfügte die Familie über einen umfangreichen Landbesitz in Mittel- und Niederschlesien an der böhmisch-mährischen Grenze sowie bei Sagan, im Herzogtum Crossen und in der Neumark. Die ältesten Stammsitze der Familie lagen im Raum südlich des Zobtenberges. Für den in der Neumark ansässigen Zweig bestätigte Markgraf Otto von Brandenburg 1370 dem Henlin v. Seydlitz das Lehen über die Herrschaft Schermeisel, nordöstlich von Frankfurt/Oder, die sich schon längere Zeit in der Hand eines Seydlitz befand.

Entsprechend groß war der politische Einfluss der Familie, deren Angehörige ab dem 13. Jahrhundert als „castellani“ und „barones“ auftraten. Im Laufe der Jahrhunderte haben zahlreiche Mitglieder der Familie ihren Landesfürsten in hohen Positionen in der Verwaltung des Landes gedient, vor allem aber als Soldaten.

Kurt von Priesdorff, der wohl bekannteste Biograph der preußischen Generalität, berichtet, dass in den drei Kriegen um Schlesien (1740-1763) 50 Angehörige der Familie v. Seydlitz / v. Seidlitz in der preußischen Armee gedient haben, von denen 11 ihren Dienst mit dem Leben bezahlten und mehrere weitere blessiert zurückkehrten.

Besonders ins Blickfeld der Geschichte traten Friedrich Wilhelm v. Seydlitz Kurzbach, General der Kavallerie unter Friedrich dem Großen, Major Florian v. Seydlitz, Adjutant des späteren Generalfeldmarschalls York von Wartenburg und in der Neuzeit General der Artillerie Walther v. Seydlitz Kurzbach.

18 Vettern fielen im Zweiten Weltkrieg, wurden vermisst, auf der Flucht erschossen oder starben in Kriegsgefangenschaft, darunter zwei Generale und der letzte Graf v. Seidlitz-Sandretzki. Dies waren rund ein Drittel der in der Wehrmacht dienenden Se(i)ydlitze. 
(Siehe auch Gedenktafel)

Außerdem ging der gesamte Grundbesitz im Osten verloren.

Aber auch in zivilen Bereichen haben sich Angehörige der Familie verdient gemacht. Der „Geograph“ Ernst v. Seydlitz war nach philologischen und theologischen Studien von 1819 bis 1834 Direktor der Herrnhuter Erziehungsanstalten in Gnadenfrei (Schlesien). Er verfasste 1834 einen Leitfaden der Geographie, mit dem er den pädagogischen Anschauungen seiner Zeit weit voraus war. Sein Werk, oft erneuert, ist in millionenfacher Auflage erschienen und wird heute noch in Schulen unter seinem Namen verwendet.

Ernst Julius von Seidlitz und Ludwigsdorf (1695 – 1766) war Anhänger und Mitarbeiter der Herrnhuter Brüdergemeine, die man als einen Versuch zur Ökumene bezeichnen kann, weil ihr katholische und protestantische Christen angehören können. Er wurde zum Vorsteher aller schlesischen Brüdergemeinden. 
(Zitiert aus: Klaus Christian Richter: Friedrich Wilhelm von Seydlitz, Ein preußischer Reitergeneral und seine Zeit, Osnabrück 1996)