Schiffe unter dem Namen ‘Seydlitz’

 

S.M.S Seydlitz – Postkarte

Der General der Kavallerie Friedrich Wilhelm v. Seydlitz-Kurzbach war Namensgeber für den Schlachtkreuzer „Seydlitz“ der kaiserlichen Marine, für den später für die Reichswehr gebauten schweren Kreuzer gleichen Namens und die nach diesem Schiff benannte Klasse der Reichsmarine.

Außerdem trug ein vorrangig auf der Linie Bremen – New York eingesetzter Passagierdampfer der Reederei „Norddeutscher Lloyd“ diesen Namen.

Schlachtkreuzer SMS Seydlitz – kaiserliche Marine

  • Stapellauf: 30. März 1912 in Hamburg bei Blohm & Voss
  • Besatzung: ca. 1108 Mann
  • Maße: Länge 200 m, Breite 28,5 m, Tiefgang: 8,2 m,
  • Wasserverdrängung: 25 000 Tonnen
  • Maschinenleistung: 70 000 PS, 2 Turbinen mit 27 Kesseln
  • V-Max: 26,5 Kn
  • Bewaffnung: 10 x 28 cm Schnellfeuerkanonen, 12 x 15 cm Schnellfeuerkanonen, 12 x 8,8 cm Schnellfeuerkanonen, Torpedos und Flak
  • Selbstversenkung am 21. Juni 1919 in Scapa Flow, 1928 von den Briten gehoben und 1930 in England abgewrackt

 

S.M.S Seydlitz

Die SMS Seydlitz war im I. Weltkrieg mehrfach an Gefechten beteiligt.

24. Januar 1915: Seegefecht auf der Doggerbank: In der Nacht zum 24. Januar 1915 stach der deutsche Vizeadmiral Hipper mit den Schlachtkreuzern “Seydlitz”, “Moltke” und “Derflinger”, dem Panzerkreuzer “Blücher”, vier kleinen Kreuzern und 18 Torpedobooten in See. Er hatte den Auftrag, an der Doggerbank britische Vorpostenschiffe zu vernichten. Die englische Funkaufklärung konnte jedoch die Einsatzbefehle entschlüsseln. Als Hipper gegen acht Uhr an der Doggerbank eintraf, wurde er schon vom britischen Vizeadmiral Beatty mit fünf Schlachtkreuzern, sieben leichten Kreuzern und 35 Zerstörern erwartet. Hipper versuchte der drohenden Umklammerung zu entgehen und machte schleunigst kehrt.

S.M.S Seydlitz

Gegen 10 begann ein Verfolgungsgefecht: „Seydlitz“, „Blücher“ und Beattys Flagschiff „Lion“ wurden schwer getroffen. Auf der „Seydlitz“ setzte ein Treffer 165 Kartuschen in Brand und tötete 165 Mann. Gegen 12 Uhr gab „Lion“ ein unklares Signal. Daraufhin stürzten sich allein vier der fünf englischen Schlachtkreuzer auf die beschädigte langsamere „Blücher“.

S.M.S. Seydlitz erreichte trotz des schweren Treffers einen Salventakt, der wohl unerreicht sein dürfte: der 1.AO Förster gab nach dem Treffer an die beiden noch feuernden Türme den Befehl „Schell. Gut.“. Daraufhin feuerte „Seydlitz“ im 10-Sekunden-Takt!

S.M.S Seydlitz – Geschütztürme

Hintergrund dieses Befehls war die auf der Brücke der „Seydlitz“ als sicher angenommene baldige Explosion des ganzen Schiffes. Ein Rettungsversuch für die Besatzung wurde unter diesen Umständen als nicht mehr durchführbar angesehen. Deshalb sollte „Seydlitz“ mit maximaler Feuergeschwindigkeit den Rest des deutschen Geschwaders so lange wie möglich unterstützen.

Hippers Verband konnte entkommen, aber der Panzerkreuzer „Blücher“ wurde versenkt. In der Schlacht an der Doggerbank haben 954 deutsche und 14 britische Seeleute den Tod gefunden. 792 Besatzungsmitglieder der „Blücher“ finden den Tod, 260 Mann werden von englischen Zerstörern gerettet.

24.04.1916: Bei einem Unternehmen vor der englischen Küste läuft die „Seydlitz“ auf eine Mine.

Am 19.11.1918 bricht die Kaiserliche Kriegsflotte, unter ihnen die S.M.S. Seydlitz, in einer 50 Kilometer langen Kolonne von Wilhelmshaven zu ihrer letzten Fahrt auf. Über 70 Linienschiffe, Kreuzer und Torpedoboote erfüllen eine Bedingung des Waffenstillstandsvertrags zwischen den Siegermächten und dem Deutschen Reich. Darin wird die Auslieferung aller deutschen U-Boote und die Internierung der modernsten Überwasser-Einheiten verlangt. Die Schiffe sind vollständig abgerüstet worden.

Am 21.06.1919 versenkt sich die Kaiserliche Marine in Scapa Flow selbst; 10 Linienschiffe, 5 große Kreuzer, 5 kleine Kreuzer sowie 45 Torpedoboote.

Passagier- u. Postdampfer “Seydlitz” ( 1902 – 1933 )

  • Reederei: Norddeutscher Lloyd
  • Werft: F. Schichau, Danzig
  • Tonnage: 7942 BRT
  • Stapellauf: 25. Oktober 1902
  • Länge: 143,15m
  • Breite: 16,90m
  • Jungfernfahrt: 05. August 1903

 

Passagier- und Postdampfer Seydlitz

Die Seydlitz gehörte zur Feldherren-Klasse des NDL. Ihre Schwesterschiffe waren u. a. die Zieten, Roon, Gneisenau, Yorck und Goeben. Das Schiff besaß einen Schornstein, zwei Masten sowie eine Geschwindigkeit von 13,5 Kn. An Bord fanden 66 Passagiere der 1. Klasse-, 107 der 2. Klasse-, 138 der 3. Klasse sowie 1980 im Zwischendeck Platz.

Der Stapellauf erfolgte am 25. Oktober 1902. Am 5. August 1903 lief die Seydlitz zur Jungfernfahrt nach Ostasien aus, am 22. Februar 1905 lief sie erstmalig Australien an. Die erste Bremerhaven – New York Reise begann am 31. März 1906. Am 15. März 1913 fuhr das Schiff nach Südamerika. Bis 1914 unternahm die Seydlitz sechs Reisen nach Ostasien, 18 nach Australien und 8 auf der Nordatlantikroute.

Am 3. August 1914 war die Seydlitz mit Ziel Sydney ausgelaufen, nahm jedoch auf Grund des begonnenen 1. Weltkrieges Kurs auf Valparaiso, um dort als Hilfsschiff im Kreuzergeschwader von Admiral Graf Spee zu dienen. Am 28. Dezember 1914 wurde sie in San Antonio interniert.

Am 1. September 1920 ist sie zurück in Deutschland. Nach Umbau geht es am 12. November 1921 zur ersten Nachkriegsreise nach Südamerika und am 11. Februar 1922 nach New York. Im Mai 1928 wurden die Passagierunterkünfte modernisiert. Schließlich wurde der Dampfer im Juli 1931 in Bremerhaven ausgemustert und 1933 abgewrackt.

Schwerer Kreuzer „Seydlitz“ – Reichsmarine

  • Stapellauf: 19. Januar 1939 Bremen
  • Schwesterschiffe: Lützow
  • Besatzung: 1409 Mann
  • Maße: Länge 212,5 m, Breite 21,90 m, Tiefgang: 6,57 m, Wasserverdrängung: 19 553 Tonnen
  • Maschinenleistung: 132 000 PS, 9 Turbinen mit 27 Kesseln
  • V-Max: 32 Kn
  • Bewaffnung: Geschütze 8 x 20,3 cm, Flak 12 x 10,5 cm, Flak 8 x 2 cm, Torpedorohr 12x

 

S.M.S Seydlitz

Am 19. Januar 1939 lief in Bremen der schwere Kreuzer „K“ vom Stapel. Das Schiff war bei Kriegsbeginn noch lange nicht fertig gestellt.

Die Sowjetunion hatte Deutschland mit umfangreicher Wirtschaftshilfe über die erste Zeit des Krieges hinweggeholfen – ein Weltkrieg war ja (entgegen heutiger Darstellungen) eigentlich nicht geplant gewesen, sondern ‚nur’ ein begrenzter Konflikt gegen Polen. Als Gegenleistung forderten die Sowjets moderne deutsche Technologien, so u. a. auch die Überlassung des unfertigen schweren Kreuzers „K“, welcher am Tag seines Stapellaufs auf den Namen „Seydlitz“ getauft worden war.

Schwerer Kreuzer Seydlitz – Reichsmarine

Durch den Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 kam es aber nicht zur Auslieferung. Der schwere Kreuzer „Seydlitz“ wurde unterdessen weitergebaut und war trotz aller Materialknappheit bis 1942 zu 90 Prozent fertiggestellt. Inzwischen hatte die deutsche Seekriegsleitung die Zweckmäßigkeit von Flugzeugträgern und die sinkende Bedeutung schwerer Artillerieträger auf den Weltmeeren erkannt. Daher wurde am 26. August 1942 der Umbau der „Seydlitz“ in einen Flugzeugträger angeordnet.