Walther v. Seydlitz-Kurzbach

 

Walther v. Seydlitz-Kurzbach - General der Artillerie

General der Artillerie

Lebenslauf:

  • Walther v. Seydlitz-Kurzbach wurde am 22.8.1888 geboren. Er besuchte die Schule an den verschiedenen Garnisonstädten seines Vaters und machte 1908 das Abitur.
  • So konnte er am 18.9.1908 als Fahnenjunker in die 2./ Feldartillerie Regiment Nr. 36 in Danzig eintreten.
  • 1910 wurde er zum Leutnant befördert.
  • Im ersten Weltkrieg (1914-18) wurde sein Regiment in Ostpreußen eingesetzt.
  • 1915 wurde er zum Oberleutnant befördert und weiter im Osten eingesetzt. 1916 und 1917 wurde er bei den Stellungskämpfen an der Somme und bei den Kämpfen an der Siegfriedstellung verwendet. Später wurde er bei St. Quentin eingesetzt.
  • Am 16. Oktober 1918 wurde ihm das Ritterkreuz des Hohenzollernschen Hausordens verliehen. Ende des Krieges war er wieder in Danzig.
  • 1919 war er im Grenzschutz Ost in Danzig Adjutant der 36. Feldartillerie Brigade.
  • 1920 bis 1922 war er Regiments-Adjutant in Schwerin.
  • 1930 wurde er zum Major befördert. 1933 wurde er dann Kommandeur der IV. Abteilung des Artillerie Regiments in Verden.
  • 1934 ist er dann zum Oberstleutnant befördert worden.
  • 1936 wurde er Oberst und Kommandeur des Artillerie-Regiments in Verden.
  • 1939 im 2. Weltkrieg wurde er zunächst in der Eifel eingesetzt. Am 1.12.1939 wurde er zum Generalmajor befördert.
  • Am 20. März 1940 wurde er Kommandeur der 12. Infanteriedivision. Im Mai 1940 wurde die Division in Frankreich eingesetzt.
  • Am 15. August 1940 wurde ihm das Ritterkreuz verliehen. 1941 wurde die Division nach Osten verlegt und im Rahmen der 6. Armee in Russland eingesetzt.
  • Am 31.12. wurde er zum Generalleutnant befördert und ihm das Eichenlaub zum Ritterkreuz verliehen. Im März bis Mai 1942 führte er die Operationen zur Öffnung und Befreiung des Kessels von Demjansk.
  • Am 10.Mai 1942 wurde er als Kommandierender General des LI. Armeekorps zur 6. Armee (Generalfeldmarschall Paulus) nach Charkow kommandiert.
  • Am 1.6. wurde er dann zum General der Artillerie befördert. Im Juni/September war der Vormarsch nach Stalingrad. Im September/November wurde Stalingrad angegriffen.
  • Vom 19. November bis 31.1.1943 war er im Kessel von Stalingrad und anschließend bis 16. Oktober 1955 in russischer Gefangenschaft. Er wurde in die Bundesrepublik entlassen.
  • Am 28. April 1976 ist er im Alter von 88 Jahren in Bremen verstorben.

Vorsitzender des Bundes deutscher Offiziere:

Der Schock der Katastrophe von Stalingrad, besonders aber die menschenverachtende Haltung Hitlers, durch die die 6. Armee geopfert wurde, sowie die Versprechungen der Sowjets, Deutschland im Falle einer Beendigung des Krieges vor der deutschen Grenze nicht zu besetzen, veranlassten Walther v. Seydlitz dem Bund deutscher Offiziere (BDO) beizutreten und den Vorsitz zu übernehmen.

Der BDO schloss sich dem Nationalkomitee „Freies Deutschland“ (NKFD) an. Ziel beider Organisationen war es 1943, die Wehrmacht – gegen den Befehl Hitlers – unter verantwortungsbewußter Führung auf die Reichsgrenze zurückzuführen. Im Januar 1944 änderte sich die Zielsetzung auf: Einstellung des Kampfes, Übergang auf die Seite des NKFD.

Seydlitz wandte sich in persönlichen Briefen an die Kommandierenden der Wehrmacht an der Ostfront. Er appellierte an ihr Verantwortungsbewusstsein, das eine Fortsetzung der Kämpfe nicht zulassen könne. Auch durch Flugblattaktionen, Lautsprecheraufrufe und Rundfunkansprachen versuchte der BDO, die Rückführung der Wehrmacht zu erreichen.

Sein Engagement war nur von geringem Erfolg, führte aber zur Ächtung seiner Person durch die deutsche Generalität, zur Verurteilung zum Tode in Absentia, sowie zur Sippenhaft für seine Familie. (Dieses Urteil wurde 1956 aufgehoben.) Von der Sowjetunion wurde er nach Kriegsende als Kriegsverbrecher zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. (Rehabilitierung erfolgte am 23.04.1996 durch Generalstaatsanwaltschaft Moskau).

„Die Möglichkeiten, aus der sowjetischen Kriegsgefangenschaft heraus Widerstand zu leisten, waren gering. Es blieb nur der Weg, den der BDO bis zum Frühjahr 1944 beschritt, nämlich sich mit dem Gewicht persönlicher Integrität für die Befehlsverweigerung gegen Hitler einzusetzen. (…) Insbesondere Seydlitz hat sich durch seine frühzeitige und entschlossen Haltung Anerkennung für sein widerständiges Verhalten gegen den Nationalsozialismus verdient.

Das NKFD ist vor allem wegen seiner Frontpropaganda in Verruf geraten. Seydlitz mag sich persönlich an die von ihm aufgestellte Maxime einer „Zersetzungspropaganda nicht das Wort reden zu wollen“, gehalten haben. Er konnte jedoch nicht verhindern, dass andere es im Namen des NKFD taten. “
(Vgl.: Militärgeschichtliches Forschungsamt; Aufstand des Gewissens; Hamburg, Berlin, Bonn; 2000)

Auszug aus der Dissertation von Claude Lavoinne über Walther v. Seydlitz-Kurzbach

Rezension der Studie von Julia Warth über Walther v. Seydlitz-Kurzbach (PDF)

Walther von Seydlitz-Kurzbach bei Wikipedia (extern)